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Es fehlt nur an den Ohren, das dazwischen funktioniert prima

Ich heisse Petra Schuh, bin 43 Jahre alt und wohnhaft in Pfäffikon SZ. Von Beruf bin ich Rettungssanitäterin (in leitender Funktion) und hänge sehr an den vielseitigen, nicht immer einfachen, aber aus- und erfüllenden Aufgaben.

Meine Hobbys sind lesen (alles was ich in die Finger bekomme), Musik (ich spiele Kirchenorgel) und ich treibe gerne Sport.

Schon länger ist meine Schwerhörigkeit zunehmend und hat im vergangenen Jahr ein Stadium erreicht, in dem ich nur noch knapp den Anforderungen dieses Berufes genüge. Hilfsmittel wie ein Stethoskop mit Hörverstärker sind ohnehin selbstverständlich, oder zum Bsp. die Tatsache, dass ich den Pager auch vibrierend bemerken kann.

Im Einsatz habe ich mit meinen Kollegen und Kolleginnen die Gewohnheit wichtiges zu wiederholen. Also zum Bsp. die Medikamentendosierung, die verabreichte Dosierung oder auch eine Bergeabsprache wenn der Zugang zum Patienten erschwert ist.

Vor einigen Wochen habe ich eine betagtere Patientin erstversorgt und mit dem Rettungswagen in Spital XY gefahren. Auf dem Weg zum Spital erholte sich die Patientin zusehends und bemerkte meine Hörgeräte. Die Folge war folgende Frage: "Chömmend Sie da überhaupt drus"? Worauf ich (schneller mit der Antwort als im höflichen denken), antwortete: Es fehlt nur an den Ohren, das dazwischen funktioniert prima."

Aus den genannten Gründen, bin ich mir dennoch bewusst den Beruf in dieser Form möglicherweise nicht mehr lange ausüben zu können, andererseits ist es auch kein Beruf, der problemlos bis zur Pensionierung ausgeübt werden kann... Aktuell absolviere ich aus diesem Grund ein Fernstudium, zum Thema "Mitarbeiter führen und motivieren", mit dem Ziel meinen Stand mit Führungsaufgaben zu festigen und evtl. auszubauen.

Wie vermutlich jeder Mensch mit einer Behinderung, habe auch ich "schwarze Tage", in denen ich mich nur schwer abfinden kann schlecht hören zu können. In der Regel aber bin ich zufrieden und empfinde mich als ausgeglichen und ruhig. Auch betrachte ich dieses Manko inzwischen als Chance, da die übrigen Sinne und allgemeine Wahrnehmung geschärft sind und mir bereits mehrfach die Arbeit und Kommunikation mit Patienten erleichtert haben, da ich vieleicht besser zwischen den Zeilen lesen kann = aufmerksamer beobachte - wie gesagt vielleicht...

So regelmässig wie es mir der Schichtdienst erlaubt, besuche ich Kurse zum üben und trainieren des Lippenlesen, aber auch um auf die Sprache zu achten oder eben "achten zu lassen". Meine Kollegen und Mitarbeiter sind dabei im Rahmen der jährlichen 40 Stunden Fortbildung, das Fingeralphabet zu lernen und zu üben, sie können mir damit den Alltag etwas erleichtern. Schön auch dass ich bereits Rückmeldungen darüber erhalten habe, dass sie viel besser als auch schon, einem Schwerhörigen oder Gehörlosen Nothilfe leisten konnten. Wie bereits erwähnt, alles auch Chancen, ...

Petra Schuh

Kommentar1256585735
Petra Schmidt
Hallo Frau Schuh, schön zu wissen, dass man mit seiner Hörschädigung nicht allein ist. Heute habe ich im Internet mal wieder etwas "gestöbert" und dabei ihren Artikel gefunden. Ich bin 47 Jahre alt und habe seit dem Kindesalter eine Hörschädigung, die im Laufe der Jahre immer schlimmer geworden ist. Seit 7 Jahren trage ich "endlich" beidseitig Hörgeräte, die mir einen Hörerfolg von ca. 30 % ermöglichen. Auch ich habe hin und wieder mal einen "schlechten Tag" - so wie heute: ein Hörgerät ist kaputt. Das zieht einen dann wieder mal etwas runter. Aber ansonsten bin ich eine Frohnatur und genieße auch mal das "Nichthören", andere können nicht einfach abschalten :-) Auch ich habe mittlerweile bemerkt, dass die anderen Sinnesorgane den Hörverlust versuchen auszugleichen. Mein Standardsatz lautet: Was ich nicht höre, das sehe oder rieche ich! Und wenn Sie gerne lesen, dann kann ich Ihnen als Medizinerin den Schamane von Noah Gordon empfehlen.
Vielleicht haben Sie es ja auch schon gelesen ... Nun Frau Schuh, so meistern wir also unseren Alltag und versuchen uns nicht unterkriegen zu lassen. Vielleicht höre ich mal wieder von Ihnen ...

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