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20 Oktober 2005

Oktoberfest: Protest gegen ”Flüster-Wiesn”

Das Oktoberfest 2005 wird vielen als „Flüster-Wiesn“ in Erinnerung bleiben. Der Grund: die Lautstärke in den Festzelten möglichst unter 85 Dezibel zu halten und vor 18 Uhr keine „heiße“ Stimmungsmusik zu spielen.

Auf einer Stadtratssitzung war in diesem Jahr beschlossen worden, die Lautstärke in den Festzelten möglichst unter 85 Dezibel zu halten und vor 18 Uhr keine „heiße“ Stimmungsmusik zu spielen, nachdem sich in den vergangenen Jahren vor allem ältere Besucher des Oktoberfestes über die immer lauter werdende Musik beschwert hatten.

Die Lärmreduzierung löste jedoch großen Protest aus.

„Alle haben nur geschimpft“, berichtet Wirtesprecher Toni Roiderer.

Vor allem die jungen Besucher der Wiesn waren unzufrieden mit der „Spaßbremse“, stellten sich auf die Bänke und forderten in Sprechchören lautere Musik. Teilweise hätten die Besucher lauter gesungen als die Musiker spielten.

„Die Lautstärke zu drosseln war ein Versuch - aber ich bin davon überzeugt, dass man hier mehr schadet als nützt. Die Leute wollen unterhalten werden, die Leute wollen Gaudi“, so Roiderer.

Dem stimmt der 27-jährige Chemielaborant Andi in einer Umfrage des „Münchner Wochen Anzeigers“ zu:

„Die Wiesn ist das größte Volksfest. Den Leuten muss etwas geboten werden und da gehört selbstverständlich auch laute Musik dazu. Ist doch langweilig sonst.“

Doch es gibt auch andere Meinungen. Die 22-jährige Studentin Kim findet:

„Das Oktoberfest ist ohnehin schon sehr laut. Man muss auch an die Anwohner denken, die zwei Wochen lang jeden Tag diesen Lärm ertragen.“

Und Anne-Marie, eine 71-jährige Rentnerin, meint:

„Bei den jungen Leuten muss es doch immer laut sein, damit es ihnen überhaupt gefällt. Zu meiner Zeit konnte man noch tanzen und sich währenddessen ganz normal unterhalten. Das ist heute undenkbar. So macht die Wiesn keinen Spaß.“

HNO-Arzt Hans-Heinrich Grübmeyer meint zu dem Konflikt:

“Aus ärztlicher Sicht begrüße ich die Maßnahme zur Lärmreduzierung. Es muss sich jetzt zeigen, ob die Stadt ihren Beschluss auch langfristig durchsetzen kann. Wenn nicht, sollten die Besucher in jedem Fall Ohrenstöpsel benutzen, um ihr Gehör zu schützen.“

Die Oktoberfest-Wirte jedenfalls möchten eine schnelle Neuregelung. Wirtesprecher Toni Roiderer plädiert dafür, die Lautstärke der Musik an die Lautstärke der Besucher anzugleichen, damit wieder Stimmung aufkommt.

„Alles andere ist unrealistisch.“

Quelle: Münchner Wochen Anzeiger, 40. Woche 2005, dpa-Meldung,30.09.05

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