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12 Juli 2004

Strahlentherapie schädigt oft Gehör

Krebspatienten, die in und um die akustischen Strukturen herum bestrahlt werden, laufen ein sehr hohes Risiko, Hörverlust zu bekommen. Dennoch sind Verletzungen durch Strahlentherapie bis dato weder gründlich untersucht noch gemeldet worden.

Bis zu 40 Prozent der Patienten leiden unter akuten Mittelohr-Nebenwirkungen durch radikale Bestrahlung unter Einbeziehung der akustischen Struktur, und rund ein Drittel der Patienten entwickeln späten sensorineuralen Hörverlust (SNHL). Das geht aus einem Bericht von Wissenschaftlern der Ist Europeo Oncology (Europäische Onkologie-Abteilung) in Mailand, Italien, hervor. Diese Reaktionen können akut oder später auftreten, alle Strukturen des Hörorgans betreffen und zu konduktivem, sensorineuralem oder kombiniertem Hörverlust führen.

"Volle Strahlendosis und Ort des Tumors scheinen unter den wichtigsten Faktoren zu rangieren, die mit dem Risiko von Hörverlust in Verbindung gebracht werden," schrieben B.A. Jereczek-Fossa und seine Kollegen in dem Bericht. "Folglich sollte möglichst eine Reduktion der Strahlendosis auf die Ohrstrukturen versucht werden."

Die italienischen Wissenschaftler unterstreichen, dass neue Strahlentherapie-Techniken (3-dimensionale konforme Strahlung, Intensitäts-modulierte Strahlentherapie, Proton-Therapie) eine genauere Dosierung erlauben, mit dem Ziel, die Organe nicht zu treffen.

Die Behandlung von akuter und später, äusserer Ohrentzündung umfasst laut den Experten das sofortige und systematische Auftragen von entzündungshemmenden Substanzen. Nach der Strahlenbehandlung auftretende Mittelohrentzündung und eine Erkrankung der Eustachischen Röhre können durch einen winzigen Einschnitt in der Mittelohrmembran und der Einführung eines Tympanostoms gebessert werden, obwohl der Vorteil dieser Vorgehensweise umstritten ist und andere Autoren für eine konservativere Methode plädieren.

Um das funktionale Defizit zu mildern, können spezielle Hörgeräte eingesetzt werden. Kortex-Steroid-Therapie, rheologische Medikamente, hyperbarer Sauerstoff oder Karbogen-Therapie werden normalerweise für eine Nachbehandlung der Bestrahlung und sensorineuralem Hörverlust eingesetzt. Die Autoren betonen jedoch, dass es keine Standardtherapie gibt, und dass die veröffentlichten Daten über die verschiedenen Behandlungsformen umstritten sind. In einigen Fällen von schwerem beidseitigem Hörverlust oder Gehörlosigkeit können Cochlear-Implantate hilfreich sein. Doch die Wissenschaftler fügen hinzu, dass eine bessere Vorsorge und Handhabung von strahlungsbezogenen, akustischen Verletzungen von weiteren Verbesserungen der Strahlenbehandlungs-Techniken und Fortschritten in otologischer Diagnostik und Therapie abhängen.

Quellen: Cancer Treatment Reviews, 2003; 29(5): 417-430, Jereczek-Fosse und Kollegen: Radiotherapy-induced Ear Toxicity. Biotech Week, 26 November , 2003.

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