Die Nummer 1 Webseite zum Thema Hören und Schwerhörigkeit
Seit 1999

Vom Gesprochenen zum Geschriebenen

Mein Problem ist, dass meine "Grenzfrequenz", oberhalb derer der Hoerverlust ueber 100 dB ausmacht und damit praktisch durch kein Hoergeraet mehr auszugleichen ist, inzwischen bei 1 KHz liegt.

Vor 20 Jahren lag er bei etwa 3 KHz, damit konnte ich noch ganz gut telefonieren und sogar noch etwas Spahss an Musik haben. Aber bei 1 KHz hoert jeder Spahss auf, da wird auch das Telefonieren fast unmoeglich - und das bei voellig ausreichender Lautstaerke. Denn die obere Frequenz entscheidet ueber die Trennschaerfe. Wenn oberhalb 1 KHz alles fehlt, ist nur noch Klangbrei zu vernehmen, selbst wenn man die Ohren voller Krach hat.

In der Situation war es fuer mich naheliegend, nach einem Geraet zu suchen, das gesprochene Sprache auf elektronischem Wege in Schrift umwandelt. Das ist also nicht etwa ein Diktiergeraet! Das Diktiergeraet verwandelt ja nur gesprochene Sprache in aufgezeichneten Sprache, damit man auch unterwegs oder nachts diktieren kann, um dann der Sektretaerin das Band hinzulegen. Das Umwandeln des Diktats in den Schriftsatz wird dann von der Sekretaerin ausgefuehrt. Hier aber geht es darum, dass die Umwandlung in Schrift vom Computer selbst ausgefuehrt wird, und das ist teuer.

Ich wusste aber, dass man daran arbeitet. Die normale Zielgruppe sind Experten, die sich eine Sekretaerin nicht leisten koennen oder wollen, und die daher zur Erfassung muendlicher Protokolle aller Art eine "elektronische Sekretaerin", also eine spezielle Software brauchen, die gesprochenen Text in geschriebenen Text umwandelt. In der Praxis ist es so, dass fuer die dokumentarischer Auswertung solche Verfahren schon recht brauchbar sind, so dass man "echte" Sekretaerinnen nur fuer persoenliche und Geschaeftsbriefe braucht, wo es auf die Fehlerfreiheit und den Stil ankommt, den man einer Software nicht leicht beibringen kann.

Aber dieses Verfahren wuerde sich eben auch fuer einen Schwerhoerigen wie mich eignen. Man kauft sich ein Mini-Notebook oder einen PDA oder ein leistungsstarkes Smartphone, und dort erscheint mit Hilfe der Software der Text, den die eigenen Ohren nicht mehr verstehen, in geschriebener Form auf dem Bildschirm. Die Anforderungen an die Genauigkeit sind nicht hoch, denn bekanntlich koennen wir muehelos ueber massive Rechtschreib- und Stilfehler hinweglesen.

Allerdings kostet z.Z. eine solche SW in Deutschland noch um die 800 Euro, mit dem Geraet zusammen also irgendwo zwischen 1.000 und 1.500 Euro. Die Entwickler der SW haben offenbar an die moegliche Zielgruppe der Schwerhoerigen bisher noch garnicht gedacht, sondern mehr an Anwaelte und Aerzte und Ingenieure, die ihre Gutachten in einen schriftlichen Text umwandeln wollen. Es fehlt also auch noch eine Stellungnahme der Krankenkassen zur moeglichen Unterstuetzung fuer weniger begueterte Interessenten. Allerdings ist der Betrag auch nicht so extrem, dass er nicht von vielen Menschen aufgebracht werden koennte.

Ob die Kassen bisher ueber diese Moeglichkeiten nachgedacht haben, weiss ich nicht, und ich weiss auch nicht, wieviele Menschen in meiner Lage sind, wo sie also mit Hoergeraeten nicht mehr weiterkommen. Es waere fuer das Gespraech mit den Kassen vielleicht noetig, hier erst einmal Zahlen von den HNO-Aerzten zu bekommen.

Ich habe hier zunaechst nur auf eine technische Moeglichkeit hinweisen wollen. Wie das Angebot solcher SW in anderen europaeischen Laendern oder in den USA ist, weiss ich noch nicht. Dort sind aber natuerlich die Geraete dann auf die englische (oder andere) Sprache trainiert, nicht auf die deutsche.

Ich wuesste gerne, wie grohss ueberhaupt das Interesse der Schwerhoerigen an solchen Geraeten ist, das kann man dann den Herstellern der SW mitteilen, um sie zu interessieren.

Hubertus Fremerey aus Bonn

Kommentar

Bitte benutzen Sie unsere Artikel

Sie dürfen unsere Artikel sehr gerne verwenden und zitieren. Die einzige Bedingung ist, dass Sie einen direkten Link zu dem bestimmten Artikel auf unserer Seite bereitstellen.

Leider können Sie unsere Bilder nicht verwenden, da wir selber nicht das entsprechende Urheberrecht haben und die Bilder nur direkt auf unserer Seite verwenden dürfen.