27 Oktober 2020

Cochlea-Implantate helfen einseitig Ertaubten

Eine Studie bestätigt die Vorteile der klinischen Verwendung von Cochlea-Implantaten bei einseitig ertaubten Patienten.

Eine neue Schweizer Studie hat ergeben: Einseitig Ertaubte, die mit einem Cochlea-Implantat (CI) versorgt werden, erleben erhebliche Verbesserung ihrer Lebensqualität und Fähigkeit, Sprache in lauten Umgebungen zu verstehen, sowie Töne und Geräusche zu lokalisieren. Auch haben einseitig ertaubte CI-Träger weniger häufig Tinnitus als vor der Implantation.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die allgemeine Lebensqualität einseitig ertaubter Patienten nach dem Einsetzen der Implantate beträchtlich anstieg. Dank der Cochlea-Implantate war ihre Lebensqualität sogar mit der normalhörender Personen vergleichbar.

Darüber hinaus wurde Tinnitus bei den Versuchsteilnehmern deutlich seltener festgestellt.

Ziel der Studie

Die Forscher wollten anhand der Studie die Wirksamkeit und Ergebnisse einer klinischen Behandlung mit Cochlea-Implantaten festhalten. Die Fokusgruppe bestand dabei aus erwachsenen Patienten mit einseitiger, nach der Spracherlernung (postlingual) erfolgter Taubheit.

Laute Hörumgebungen

Welche Vorteile haben Cochlea-Implantate für einseitig Ertaubte im Alltag? Um dies herauszufinden, führten die Forscher sogenannte „Speech-in-Noise“-Tests durch. Dabei wird die Fähigkeit der Probanden, Sprache in lauten Hörumgebungen zu verstehen, getestet. Die Forscher stellten eine markante Verbesserung des Sprachverständnisses der Probanden in zwei verschiedenen, für einseitig Ertaubte als besonders schwierig geltende Hörsituationen fest:

  • Sprache von vorne bei Störgeräuschen auf dem (besser) hörenden Ohr.
  • Sprache dringt an das ertaubte, mit einem CI versorgte Ohr bei Störgeräuschen von vorne.

Kurz zur Studie

Die Versuchsteilnehmer waren zwischen 18 und 70 Jahren alt und aufgrund einer Schädigung der Hörschnecke (Cochlea) einseitig ertaubt. Bei allen Probanden waren Hörschnecke und -nerv jedoch normal ausgebildet. Der Beginn der einseitigen Ertaubung musste ein halbes bis zehn Jahre zurückliegen, bevor die Patienten für die Studie infrage kamen.

Im Rahmen der Studie definierten die Forscher einseitige Taubheit als einen Hörverlust von 70 dB oder mehr bei Frequenzen von 0,5, 1, 2 und 4 kHz im betroffenen Ohr. Gleichzeitig durfte auf dem (besser) hörenden Ohr bloß ein Hörverlust von höchstens 25 dB bei Frequenzen im Bereich von 125 Hz bis 2 kHz und maximal 35 dB bei 4 bis 8 kHz vorliegen.

Die Studie wurde unter dem Titel „Cochlear Implants in Single-sided Deafness – Clinical Results of a Swiss Study“ in der Fachzeitschrift Swiss Medical Weekly herausgegeben.

Quellen: www.ncbi.nlm.nih.gov sowie Swiss Medical Weekly.

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