15 September 2020

Expertenkommission: Schwerhörigkeit ist der bedeutendste Risikofaktor bei Demenzerkrankungen

Die wissenschaftliche Zeitschrift „The Lancet“ hat eine Expertenkommission beauftragt, vermeidbare Demenzrisiken auszumachen. Das Ergebnis ist eine Liste mit zwölf Risikofaktoren, wobei unbehandelter Hörverlust der wichtigste ist.

In einem kürzlich veröffentlichten Report zur Demenzprävention, -intervention und –pflege listet eine Expertenkommission der Fachzeitschrift „The Lancet“ zwölf modifizierbare Risikofaktoren bei Demenzerkrankungen. Der 2020 veröffentlichte Bericht ist eine überarbeitete Version des erstmalig im Jahre 2017 vorgestellten Reports, worin die Experten neun vermeidbare Risiken nannten.   

Diese lauteten: geringe Bildung, Hypertonie (Bluthochdruck), Schwerhörigkeit, Rauchen, Adipositas, Depressionen, körperliche Inaktivität, Altersdiabetes und wenig soziale Kontakte (soziale Isolation).

In der aktualisierten Ausgabe nennen die Forscher nun drei weitere Faktoren, nämlich übermäßigen Alkoholkonsum, Schädel-Hirn-Traumata (SHT) und Luftverschmutzung.

Laut der Expertenkommission lassen sich mit diesen zwölf Risikofaktoren ganze 40 % aller Demenzerkrankungensfälle erklären. Das wichtigste Ergebnis der Studie ist jedoch, dass alle dieser zwölf Risiken potenziell modifizierbar sind. Sie können also durch einen gezielten Behandlungseinsatz verändert und damit reduziert werden. Schwerhörigkeit lässt sich beispielsweise mit Hörgeräten oder Hörimplantaten therapieren. Leider sind die Ursachen bei 60 % der Demenzerkrankungen immer noch unbekannt.

Schwerhörigkeit

Laut dem aktuellen Bericht sind die oben genannten Risikofaktoren für 40 % aller Demenzerkrankungen verantwortlich. Schwerhörigkeit löst dabei ein Fünftel, also insgesamt 8 % der Erkrankungsfälle aus.

In dem 2017 veröffentlichten Bericht begründeten die Forscher sogar ganze neun Prozent aller Demenzfälle mit Schwerhörigkeit. Dadurch, dass in der aktualisierten Ausgabe drei neue Risikofaktoren der Liste hinzugefügt worden sind, sinkt der Prozentanteil der durch Hörverluste verursachten Fälle jedoch mit einem Prozent. Trotzdem ist und bleibt Schwerhörigkeit der wichtigste Risikofaktor.

Die Expertenkommission betont in ihrem aktuellen Bericht, dass die Nutzung von Hörgeräten das Exzessrisiko von Schwerhörigkeit zu verringern scheint.

Deshalb raten die Forscher Schwerhörigen, ihren Hörverlust mit Hörgeräten zu behandeln. Alle sollten zudem versuchen, der Entstehung von Hörminderungen durch Gehörschutz bei übermäßigem Lärm vorzubeugen.

Die zwölf Risikofaktoren

Laut der Expertenkommission sind diese zwölf Risikofaktoren bei der Demenzprävention besonders wichtig:

  • Schwerhörigkeit: 8 %
  • geringe Bildung: 7 %
  • Rauchen: 5 %
  • Depressionserkrankungen: 4 %
  • soziale Isolation: 4 %
  • Schädel-Hirn-Traumata (SHT): 3 %
  • körperliche Inaktivität: 2 %
  • Hypertonie: 2 %
  • Luftverschmutzung: 2 %
  • Adipositas: 1 %
  • Altersdiabetes: 1 %
  • übermäßiger Alkoholkonsum: 1 %
     
  • Insgesamt: 40 %

Der Bericht „Dementia prevention, intervention and care: 2020 report of the Lancet Commission” ist in der wissenschaftlichen Zeitschrift „The Lancet“ erschienen.

Der Bericht kann hier aufgerufen werden (auf Englisch).
 
Quelle und Foto: The Lancet.

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