10 Juli 2019

Hörtraining: Mischung von Sprache und Geräuschen hilft Cochlea-Implantatträgern

Werden beim Hörtraining Sprache und Umgebungsgeräusche zeitgleich abgespielt, fördert dies bei Cochlea-Implantatträgern die Fähigkeit, Sprache wahrzunehmen. Je mehr Trainingseinheiten, desto leichter fällt es den Implantatträgern Sprache von Umweltgeräuschen zu trennen. Dies zeigt eine Studie.

Viele Cochlea-Implantatträger können im Alltag nur schwer Sprache von Umgebungslärm unterscheiden. Deshalb hat eine Studie untersucht, wie die Sprachwahrnehmung der Implantatträger durch ein gezieltes Üben verbessert werden kann.

Der „Satz im Lärm”-Test

Um den Effekt der Übungen zu beurteilen, wurde eine Gruppe von prälingual ertaubten Cochlea-Implantatträgern mit langjähriger Benutzererfahrung mit normalhörenden jungen Erwachsenen verglichen. Alle Versuchsteilnehmer nahmen an Einzel- und Gruppentrainingseinheiten teil und arbeiteten nach dem gleichen Trainingsplan.

Unter den Teilnehmern der Studie befanden sich 22 prälingual gehörlose Cochlea-Implantatträger und 30 Normalhörende. Beim Hörtraining wurde der „Satz im Lärm”-Test angewandt. Alle Teilnehmer nahmen zunächst an einer Einzelstunde teil. Sechs Normalhörende und sieben Implantatträger erhielten vier zusätzliche Einzelstunden. Alle sieben Implantatträger hatten dazu die Möglichkeit, fünf weitere Tage zu üben. Dies entsprach insgesamt zehn Übungseinheiten.

Deutliche Verbesserungen

Nach der ersten Einzelstunde zeigten die Cochlea-Implantatträger „eine Schwelle der Sprachaufnahme in Umgebungslärm” („speech reception thresholds in noise”; kurz SRTn), die um 9 bis 10 dB höher lag als bei den normalhörenden Teilnehmern. Die Cochlea-Implantatträger schnitten also zunächst viel schlechter ab. Nach den ersten fünf Übungseinheiten hatten fünf von sieben Cochlea-Implantatträgern diesen Rückstand um die Hälfte reduziert. Nach zehn Tagen Hörtraining verbesserten die Cochlea-Implantatträger ihre Leistung mit 4,1 dB im Signal-Rausch-Verhältnis. Das Signal-Rausch-Verhältnis, kurz SNR, gibt in diesem Fall an, wann der Mensch ein Signal (Sprache) von einem Störgeräusch (Umgebungslärm) unterscheiden kann.

Laut den Verfassern ist diese Studie die Erste, die Lernkurven und -fortschritte bezüglich der Schwelle für die Sprachaufnahme dokumentiert. Keine andere Studie hat sich bis jetzt auf diese Weise mit Übungen zur Unterscheidung von Sprache und Störgeräuschen bei Cochlea-Implantatträgern mit einer prälingualen Ertaubung beschäftigt.

Die Studie „Training of Speech Perception in Noise in Pre-Lingual Hearing Impaired Adults With Cochlear Implants Compared With Normal Hearing Adults" (zu Deutsch: „Training der Sprachwahrnehmung in Umgebungslärm bei prälingual ertaubten, erwachsenen Cochlea-Implantatträgern im Vergleich zu normalhörenden Erwachsenen“) wurde in der wissenschaftlichen Zeitschrift Otology and Neurotology herausgegeben.

Quellen: www.ncbi.nlm.nih.gov und Otology & Neurotology

Weiterlesen: