16 August 2010

Können Antibiotika das Gehör schützen?

Forschung an Mäusen deutet darauf hin, dass Antibiotika in geringen Dosen den Hörsinn vor Schwerhörigkeit schützen. Doch bisher wurde dies nur bei Mäusen nachgewiesen.

Antibiotika können in manchen Fällen eine Schwerhörigkeit verursachen, doch neue Forschungsergebnisse deuten nun überraschenderweise auf das Gegenteil hin. Die Studie wurde von Forschern der Washington University School of Medicine durchgeführt.

Babys haben die empfindlichsten Ohren

Babys wird oft das Antibiotikum Gentamicin verabreicht. Es soll gegen einen Großteil von Bakterien helfen und ist außerdem eine milde Form von Antibiotikum. Allerdings gehört es auch zu den Medikamenten, die Hörverlust verursachen können, besonders im Zusammenspiel mit Lärm. Babys haben ein sehr empfindliches Gehör. Die Studienergebnisse deuten aber paradoxerweise darauf hin, dass Kanamycin, das dem Gentamicin sehr ähnlich ist, die Ohren schützt. Zumindest zeigte sich dieser Effekt bei den Experimenten mit jungen Mäusen.

Forschung mit Mäusen

Da das Gehör die ersten Lebensmonate bei Mäusen genau wie bei Menschen besonders lärmempfindlich ist, haben Forscher 20 bis 30 Tage alte Mäuse täglich zwei Mal mit Kanamycin behandelt - elf Tage lang. Danach wurden die Tiere einer Lärmbelastung von 110 Dezibel, 30 Sekunden lang ausgesetzt. Überraschenderweise hat die geringe Dosis von Kanamycin die Tiere komplett vor der Zerstörung der Sinneshaarzellen und der damit einhergehenden Hörschädigung geschützt. Die Forscher berichten, dass dieser schützende Effekt bis zu zwei Tage nach der letzten Injektion festgestellt werden konnte.

Diese Untersuchung soll die Basis für weitere Forschungsaktivitäten sein, die beleuchten sollen, wie das Kanamycin vor Schwerhörigkeit schützt. Die Ergebnisse können Forschern helfen, ähnliche Medikamente mit gleicher Wirkung zu entwickeln. Medizin, die vor Hörschädigung schützt, könnte vielen Gruppen, wie zum Beispiel Soldaten oder Flugzeugarbeitern, sowie natürlich Babys, zugutekommen.

Mäuse sind perfekte Versuchstiere

Mäuse sind speziell geeignete Versuchstiere was die Forschung im Bereich des Hörens anbelangt, da die Tiere über eine gleiche Anatomie und Funktionsweise des Hörsinns wie der Mensch verfügen und sich ähnlich in Bezug auf altersbedingte Schwerhörigkeit verhalten.

Forschung nach zufälligem Durchbruch

Die Forschung im Bereich der positiven Effekte des Antibiotikums begann eher zufällig. Eine Krankenschwester, die sich um die Auswirkung von Hubschrauberlärm bei Kleinkindern sorgte, kontaktierte Professor William Clark von der Washington University School of Medicine, der die Studie einleitete.

Quelle: www.newswise.com

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