11 Februar 2020

Länger fit durch Behandlung von Hör- und Sehschwäche

Hören oder sehen Sie schlecht? Beeinträchtigungen der Hör- und Sehfähigkeit wirken sich bei Senioren nicht nur ungünstig auf die Lebenserwartung, sondern auch auf den Gesundheitszustand aus. Dies zeigt eine Studie aus Singapur.

Forscher der medizinischen Fakultät Duke-NUS in Singapur haben herausgefunden, das Hör- und Sehstörungen die Lebenserwartung verringern und den Gesundheitszustand verschlechtern können. Dies wurde bei einer Studie der Lebensdauer unter Berücksichtigung von eventuellen gesundheitlichen Problemen älterer Erwachsener festgestellt.

Im Rahmen der Studie ermittelten die Forscher, ob selbstberichtete Hör- oder Sehschwächen Einfluss auf Beeinträchtigungen der körperlichen Funktion und das alltägliche Leben im Alter haben.

Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass ältere Erwachsene, die entweder eine Seh- oder Hörschwäche oder sogar beides hatten, im Alter eine schlechtere Gesundheit erwarten konnten als Senioren, deren Hör- und Sehfähigkeit nicht eingeschränkt waren. Schwerhörige und sehschwache Senioren riskierten somit in ihrem späteren Leben länger krank oder in ihrem Alltag auf Hilfe angewiesen zu sein, als Personen, die normal hörten und sahen. Der deutlichste Unterschied trat zwischen den Probanden, die mit geschwächtem Hör- und Sehvermögen zu tun hatten, und denen, die weder schwerhörig noch sehschwach waren, auf. Daraus schlossen die Wissenschaftler, dass Senioren durch die Behandlung ihrer Sehschwäche oder Schwerhörigkeit im Alter länger fit und selbstständig bleiben können.

Speziell für Schwerhörige

Im Jahr 2009 erlebten 40,6 % aller schwerhörigen Probanden körperliche Funktionseinschränkungen. Darüber hinaus fühlten sich 20,8 % in ihrem Alltag durch ihre Schwerhörigkeit gehindert. Bei den Versuchsteilnehmern, die weder Sehstörungen noch Hörprobleme hatten, berichteten 28,2 % von herabgesetzter körperlicher Funktion und 8,9 % von Einschränkungen ihrer Alltagsaktivitäten. Dahingegen erlebten im Jahr 2011 ganze 52,2 % der schwerhörigen Probanden körperliche Funktionseinschränkungen und 26,6 % fühlten, dass sie ihren Alltag nicht mehr richtig meistern konnten. Gleichzeitig klagten nur 29 % der Kontrollgruppe über Funktionseinschränkungen und 9,7 % über Probleme mit Alltagsaktivitäten. 2015 sah dies schon ganz anders aus: Die Zahl der schwerhörigen Probanden, die körperliche Funktionseinschränkungen erlebten, lag bei 60,4 %, während ganze 29,4 % von Einschränkungen im Alltag berichteten. Bei der Kontrollgruppe lagen die Zahlen bei 40,7 % (körperliche Funktionseinschränkung) und bei 12,4 % (Einschränkung im Alltag).

Je älter, desto größer die Einschränkungen

Während den von 2009 bis 2015 durchgeführten Untersuchungen, wuchs die Anzahl der sehschwachen Teilnehmer von 12 auf 17 %, und die der schwerhörigen stieg von 6 auf 9 %. Die Zahl der Teilnehmer, die von beidem betroffen waren, vergrößerte sich um ganze 4 % und lag somit bei insgesamt 13 %. Ein großer Anteil der Versuchsteilnehmer erlebte zudem eine Verschlechterung ihres im Vorfeld herabgesetzten Seh- und Hörvermögens. Zwischen der ersten und zweiten Umfrage (2009 und 2011) verschlimmerte sich die Hör- und Sehschwäche bei ganzen 34,6 % der Teilnehmer, während zwischen der zweiten und dritten Umfrage (2011 und 2015) rund 42,7 % der Teilnehmer eine Verschlechterung ihres Zustandes erlebten.

Über die Studie

Insgesamt nahmen 3452 Probanden an der Studie teil. Alle Versuchsteilnehmer wurden erstmals im Jahr 2009 befragt. Im Rahmen der Studie fanden zwei weitere Interviews (2011 und 2015) statt. Bei den Teilnehmern handelte es sich um ältere Erwachsene, die mindestens 60 Jahre alt waren und in ihrem eigenen Haushalt wohnten. Die Stichprobe (Gesamtzahl der Teilnehmer) spiegelte die Zusammensetzung der Bevölkerung Singapurs wider und wurde von dem landesweiten Gremium für Gesundheit und Altern gestellt.

Die Studie wurde unter dem Titel „ The Impact of Self-Reported Vision and Hearing Impairment on Health Expectancy” in der wissenschaftlichen Zeitschrift Journal of the American Geriatrics Society veröffentlicht.

Quellen: www.sciencedaily.com, www.medicalxpress.com  sowie Journal of the American Geriatrics Society.