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28 Juni 2019

Mehr Lebensfreude, Gesundheit und Wohlstand durch Hörgeräte

Schwerhörige, die etwas gegen ihren Hörverlust unternehmen, sind glücklicher, gesünder und wohlhabender. Hörgeräte und andere Hörlösungen – wie Implantate – sind für die Behandlung geeignet und tragen zu einer wesentlich höheren Lebensqualität bei.

Die neue wissenschaftliche Studie „Hearing Loss – Numbers and Costs” belegt, dass Hörgerätebenutzer bedeutend mehr verdienen als Schwerhörige mit einem unbehandelten Hörverlust. Der Unterschied zwischen den Einkommen der beiden Gruppen steigt zudem mit dem Grad des Hörverlusts an. Darüber hinaus ist die Arbeitslosenrate unter Schwerhörigen, die weder Hörgeräte noch andere Hörlösungen benutzen, fast doppelt so hoch wie die unter Hörgeräteträgern. „Hearing Loss – Numbers and Costs” liefert klare Beweise dafür, dass Schwerhörige im Durchschnitt bedeutend weniger verdienen als Menschen mit einem normalen Gehör. Die umfangreiche Studie wurde von Professor Emerita Bridget Shield mit Unterstützung von Professor Mark Atherton verfasst. Beide Forscher sind an der Brunel Universität zu London tätig.

Gleichzeitig berichten Hörgeräteträger von einer Verbesserung ihrer allgemeinen Lebensqualität. Dies liegt unter anderem daran, dass Hörgeräte es einfacher machen an Gesprächen teilzunehmen und (familiäre) Beziehungen zu pflegen. Hörgeräte und andere Hörlösungen, wie beispielsweise Implantate, haben darüber hinaus auch einen positiven Effekt auf die allgemeine Gesundheit ihres Trägers: Schwerhörige, die ihren Hörverlust behandeln, fühlen sich seltener körperlich oder mental erschöpft, schlafen besser, erleben weniger depressive Zustände und haben ein besseres Erinnerungsvermögen als Schwerhörige, die keine Hörlösungen benutzen.

Alles in allem genießen Schwerhörige, die etwas gegen ihren Hörverlust unternehmen, eine höhere Lebensqualität. Sie sind glücklicher, gesünder und wohlhabender als Personen, bei denen eine Hörminderung unbehandelt bleibt.

„Die Behandlung einer Schwerhörigkeit birgt so viele Vorteile, dass ich Ihnen das Tragen eines Hörgerätes oder eines Implantats bei einem Hörverlust nur empfehlen kann. Falls Sie glauben, schwerhörig zu sein, möchte ich Ihnen ans Herz legen, einen Hörtest durchführen zu lassen”, so Kim Ruberg, Generalsekretär der Interessengemeinschaft hear-it AISBL, die die Studie veröffentlicht hat.

Einkommen und Beruf

Der Bericht „Hearing Loss – Numbers and Costs” dokumentiert, dass Personen mit einer unbehandelten Schwerhörigkeit im Durchschnitt beträchtlich weniger verdienen als Normalhörende. Dies liegt daran, dass Menschen mit einer beeinträchtigen Schwerhörigkeit oftmals weniger beanspruchende Jobs ausführen und früher in Rente gehen.

Zudem sind Menschen mit einer unbehandelten Hörminderung häufiger arbeitslos: Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung lag die Erwerbstätigkeit bei Schwerhörigen im arbeitsfähigen Alter nur bei 83 %.

Kosten für die Gesellschaft

Die Studie zeigt auch, dass unbehandelte, beeinträchtigende Schwerhörigkeit große Unkosten für die Gesellschaft verursacht. Diese entstehen durch einen Produktivitätsverlust als Folge der hohen Arbeitslosigkeit bei Schwerhörigen, eine vermehrte Inanspruchnahme von Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld oder Renten, sowie erhöhte Gesundheitsvorsorgekosten. Letztere treten aufgrund geringerer Lebensqualität und Folgeerkrankungen, wie zum Beispiel Depression, einem Nachlassen der kognitiven Fähigkeiten und häufigeren Krankenhausaufenthalten bei Schwerhörigen auf.

Ab einem Hörverlust von 35 dB auf dem besser hörenden Ohr wird von einer beeinträchtigenden Schwerhörigkeit gesprochen. Laut der Studie verursacht unbehandelte, beeinträchtigende Schwerhörigkeit in der EU jährliche Kosten von 185 Milliarden Euro. Alleine die geringere Lebensqualität, die als Folge einer solchen unbehandelten Hörminderung auftritt, kostet innerhalb der EU 130 Milliarden Euro im Jahr. Ein Produktivitätsverlust bedingt Kosten von weiteren 55 Milliarden Euro jährlich.

Europaweit belaufen sich die Gesamtkosten beeinträchtigender Schwerhörigkeit auf 216 Milliarden Euro im Jahr. Wie auch in den EU-Mitgliedsstaaten ist die Summe hauptsächlich durch herabgesetzte Lebensqualität und Produktivitätsverlust bedingt. Dazu kommen zusätzliche Kosten für die medizinische Gesundheitsversorgung Schwerhöriger. Auch diese entstehen aufgrund unbehandelter, beeinträchtigender Schwerhörigkeit.

Lebensqualität

Die Studie hält fest, dass Menschen mit einer unbehandelten Schwerhörigkeit eine herabgesetzte Lebensqualität erleben. Je schwerer die unbehandelte Hörminderung, desto umfangreicher wird der Verlust der Lebensqualität empfunden. Schwerhörigkeit hat schwerwiegendere Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen als viele chronische Krankheiten und Behinderungen, hierunter Blindheit und andere Sehbehinderungen, sowie Alzheimer und andere Demenzformen.

Unbehandelte Schwerhörigkeit hat eine Reihe von negativen körperlichen, mentalen und sozialen Konsequenzen. Dafür spricht auch der wissenschaftlich dokumentierte Zusammenhang zwischen unbehandelter Schwerhörigkeit, kognitivem Verfall und Demenz. Unbehandelte Hörminderungen können zu Depression, Einsamkeit oder sozialer Isolation führen, und belasten zudem persönliche und familiäre Beziehungen.

Viele Personen mit einer unbehandelten Schwerhörigkeit erleben Müdigkeit und Erschöpfungszustände während und nach der Arbeit. Schwerhörige, bei denen ein Hörverlust unbehandelt bleibt, sind im Allgemeinen öfter krankgeschrieben.

Somit beeinflusst unbehandelte Schwerhörigkeit den allgemeinen Gesundheitszustand, das Wohlbefinden und das Arbeitsleben der Betroffenen. Darüber hinaus reduziert eine unbehandelte Hörminderung auch körperliche Aktivität. Schwerhörige haben häufiger andere chronische Krankheiten als Normalhörende.

Behandlung von Schwerhörigkeit ist kosteneffizient

Sowohl für den Einzelnen als auch die Gesellschaft ist die Therapie von Schwerhörigkeit mit Hörgeräten oder anderen Hörlösungen sehr wirtschaftlich. Im Vergleich zu den Kosten, die durch unbehandelte, beeinträchtigende Schwerhörigkeit verursacht werden, ist die Behandlung von Hörminderungen sehr kostengünstig. Ein Investieren in Behandlung lohnt sich für die Betroffenen und die Gesellschaft, besonders wenn man dabei die positiven Auswirkungen auf das Einkommen, die Erwerbstätigkeit und die Lebensqualität, sowie die Minderung der Kosten für die medizinische Grundversorgung Schwerhöriger bedenkt.

Zur Studie

Der Bericht „Hearing Loss – Numbers and Costs” wurde im Auftrag der Interessengemeinschaft hear-it AISBL durch Professor Emerita Bridget Shield mit Unterstützung von Professor Mark Atherton erstellt. Beide sind an der Brunel Universität zu London tätig. Im Jahr 2006 verfasste Prof. em. Bridget Shield ihre erste Studie für die hear-it AISBL mit dem Titel „Evaluation of the Social and Economic Costs of hearing Impairment” (zu Deutsch: „Auswertung der sozialen und ökonomischen Kosten von Schwerhörigkeit”).

 

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