16 Oktober 2017

Mehrere Studien beweisen Beziehung zwischen Hörverlust und Demenz

Vier wissenschaftliche Studien bestätigen die Beziehung zwischen unbehandelter Schwerhörigkeit und Demenz.

Die Ergebnisse einer britischen, taiwanesischen und deutschen Studie, sowie ein umfassender Bericht über Demenz beweisen, dass es einen deutlichen Zusammenhang zwischen unbehandelter Schwerhörigkeit und Demenz gibt. Eine Untersuchung bestätigt frühere wissenschaftliche Erkenntnisse, die darauf hinweisen, dass die Behandlung mit Hörgeräten dem Rückgang der kognitiven Fähigkeiten entgegenwirken kann, sodass die Betroffenen länger fit bleiben.

Studie aus England

Eine englische Studie, die auf den Daten von unter 50-Jährigen aus der „English Longitudinal Study of Aging“ basiert, zeigt, dass Teilnehmer mit selbstberichteter oder gemessener Schwerhörigkeit eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Demenzdiagnose haben, im Vergleich zu Menschen mit normalem Gehör. Die Studie ergab, dass die Wahrscheinlichkeit zur Ausbildung einer Demenz bei Menschen mit moderatem Hörverlust 1,4 Mal höher war und bei schwerer Schwerhörigkeit 1,6 Mal höher war.

„Diese Ergebnisse bestätigen die Annahme, dass das Korrigieren des Hörverlustes dazu beitragen kann, den Ausbruch von Demenz zu verzögern, oder dass Hörverlust selbst ein Risikofaktor für den Rückgang der kognitiven Fähigkeiten ist“, erklären die Autoren.

Studie aus Taiwan

Eine taiwanesische Studie mit 4.108 Personen mit altersbedingter Schwerhörigkeit und einer Kontrollgruppe von 4.013 mit normalem Gehör ergab, dass das Demenzrisiko bei altersbedingter Schwerhörigkeit 1,3 Mal höher ist. Menschen mit anderen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Bluthochdruck, Diabetes, und Schlaganfall hatten ein 3,6 Mal höheres Risiko für Demenz. Die Studie zeigte auch, dass Frauen mit altersbedingter Schwerhörigkeit öfter Demenz entwickeln als Männer.

Studie aus Deutschland

Eine umfassende Studie, basierend auf den Daten von 154.783 Personen aus dem Zeitraum von 2006 und 2010, gesammelt von der größten deutschen Krankenversicherung mit 14.602 Demenzerkrankungen zeigte ähnliche Ergebnisse. Menschen mit Hörverlust hatten ein 1,2- bis 1,4-fach höheres Demenzrisiko als Menschen mit normalem Gehör. Bei einseitiger Schwerhörigkeit wurde kein erhöhtes Risiko für Demenz festgestellt.

Neun Risikofaktoren

In einem umfassenden Bericht der Lancet-Kommission zur Demenzprävention, -intervention und -betreuung wurden neun Risikofaktoren hervorgehoben, die das Demenzrisiko beeinflussten: Die Bildung bis zu einem Alter von 11-12 Jahren, Hypertonie im mittleren Lebensalter, Fettleibigkeit in der Kindheit, Depression im Alter, Diabetes , körperliche Inaktivität, Rauchen, soziale Isolation - und Schwerhörigkeit sind demnach maßgeblich für die Ausbildung von Demenz verantwortlich.

Woher kommt der Zusammenhang?

Warum besteht ein Zusammenhang zwischen Hörverlust und Demenz? Die wissenschaftlichen Studien liefern keine klare Antwort. Es gibt bisher keinen nachgewiesenen Kausalzusammenhang zwischen Hörverlust und dem Rückgang der kognitiven Fähigkeit. Viele Forscher vermuten jedoch, dass das durch Hörverlust verursachte schwächere audiologische Signal das Risiko einer Demenzerkrankung erhöhen kann. Hörverlust kann auch zu einer erhöhten sozialen Isolation führen. Soziale Isolation gehört ebenfalls zu den Risikofaktoren für Demenz. Darüber hinaus kann die Erklärung auch in der Kombination aus reduziertem audiologischen Signalen und sozialer Isolation liegen.

Eine ausführliche Studie aus Frankreich hat gezeigt, dass die Behandlung von Hörverlust mit Hörgeräten dem Rückgang der kognitiven Fähigkeiten entgegenwirkt. Menschen mit Hörgeräten haben damit das selbe kognitive Niveau wie Menschen ohne Schwerhörigkeit.

Über die Studien

Die englische Studie „Hearing Impairment and Incident Dementia: Findings from the English Longitudinal Study of Ageing“ wurde im Journal of the American Geriatrics Society im Jahr 2017 veröffentlicht.

Die taiwanesische Studie „Age-related hearing loss and dementia: a 10-year national population based study " wurde 2017 in den European Archives of Oto-Rhino-Laryngology veröffentlicht.

Die deutsche Studie „Hearing Impairment Affects Dementia Incidence. An Analysis Based on Longitudinal Health Claims Data in Germany" wurde 2016 in der Zeitschrift PLOS One veröffentlicht.

Der Bericht der Lancet-Kommission zur Demenzprävention, Intervention und Pflege „Dementia prevention, intervention, and care" wurde 2017 in der Lancet veröffentlicht.

Quellen: The Journal of the American Geriatrics Society, European Archives of Oto-Rhino-Laryngology, PLOS One and the Lancet.

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