20 Dezember 2019

Otosklerose führt oft auch zu Tinnitus

Laut einer polnischen Studie leiden Otosklerose-Patienten oftmals auch an Tinnitus.

In einer polnischen Studie mit 157 Teilnehmern, wurde bei 107 (68,2 %) der Probanden ein präoperativer Tinnitus festgestellt. Bei allen Teilnehmern handelte es sich um Otosklerose-Patienten. Ganze 51 Personen (47,7 %) hatten in dem Ohr, in dem die Steigbügel operiert werden konnten, einen einseitigen Tinnitus, während bei 56 Personen (52,3 %) beide Ohren betroffen waren. Rund 23,4 % der Patienten empfanden ihren Tinnitus als genauso schlimm oder schlimmer als ihre Schwerhörigkeit.

Otosklerose

Otosklerose wird durch eine Knochenfehlbildung im Mittelohr verursacht, was zu einer Hörminderung führt. Genauer versteht man unter Otosklerose einen chronischen pathologischen Prozess, der die kleinen Knochen im Mittelohr schwammig werden lässt. Darüber hinaus kann es zu einer Verankerung der Fußplatte des Steigbügels an dem ovalen Fenster kommen - die Gehörknöchelchen wachsen also zusammen.

Drei Fragebögen zum Thema Tinnitus

Die Häufigkeit und der Grad des Tinnitus wurden mithilfe dreier Fragebögen ermittelt: 1) Umfrage zu Tinnitus und Gehör (THS-POL), 2) Aufstellung zu Tinnitus als Behinderung (THI-POL) und 3) Tinnitus-Funktionsindex (TFI-PI).

Die THS-POL-Umfrage zeigte, dass Schwerhörigkeit bei 76,6 % der Patienten größere Beschwerden als Tinnitus verursachte. 13,1 % der Patienten fühlten dahingegen, dass ihr Tinnitus ihnen größere Probleme bereitete als ihre Schwerhörigkeit. Bei 10,3 % der Probanden waren die negativen Auswirkungen von Hörverlust und Tinnitus vergleichbar. Über die Hälfte der Teilnehmer (53,3 %) gab an, dass sie nicht empfindlich auf Geräusche reagierte. Für 15 % stellten Geräusche ein geringes Problem dar, während 14 % Geräusche als ein moderates Problem und 17,7 % als ein großes oder sehr großes Problem beschrieben.

Die Ergebnisse des TFI-PI-Fragebogens verdeutlichten, dass 29,9 % der Patienten Tinnitus als unproblematisch einstuften. Für weitere 29,9 % der Patienten stellte Tinnitus nur ein geringes Problem dar. Ganze 20,6 % beschrieben Tinnitus als ein moderates Problem. Rund 15,9 % der Teilnehmer empfanden Tinnitus jedoch als ein großes und 3,7 % als ein sehr großes Problem.

Der THI-POL- Fragebogen dokumentierte, dass 14 % der Befragten sich von ihrem Tinnitus im Alltag etwas gehemmt fühlten. Darüber hinaus fanden 41,1 % der Teilnehmer, dass sich ihr Tinnitus leicht auf ihren Alltag auswirkte. Fast ein Viertel der Befragten (23,4 %) empfand die Auswirkungen ihres Tinnitus auf ihr alltägliches Leben als moderat, 16,8 % als schlimm und 4,7 % als katastrophal.

Dauer von Schwerhörigkeit und Tinnitus

Die Teilnehmer über 18 Jahren, bei denen die Otosklerose durch eine Operation des Steigbügels behandelt werden konnte, waren von der Erkennung der Hörminderung bis zur Operation durchschnittlich 10,3 Jahre schwerhörig. Ein Tinnitus lag im Durchschnitt fast sieben Jahre vor.

Die Studie „Prevalence and Severity of Tinnitus in Otosclerosis: Preliminary Findings from Validated Questionnaires" wurde in der wissenschaftlichen Zeitschrift The Journal of International Advanced Otology veröffentlicht.

Quellen: www.ncbi.nlm.nih.gov und The Journal of International Advanced Otology.