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03 September 2019

Schwer die Musikhörgewohnheiten Jugendlicher zu ändern

Eine schweizerische Studie hat die Musikhörgewohnheiten Jugendlicher und junger Erwachsener untersucht. Im Fokus war die Nutzung verschiedener Musikabspielgeräte und die Bereitschaft der Versuchsteilnehmer, ihre Musikhörgewohnheiten zu ändern. Das Ziel der Studie war herauszufinden, welche modifizierbaren Faktoren die Hörgewohnheiten junger Musikliebhaber beeinflussen können.

Schwer die Musikhörgewohnheiten Jugendlicher zu ändern

Die schweizerische Studie hielt fest, dass Einzelpersonen einerseits nicht darüber nachdenken, ihre Musikhörgewohnheiten zu ändern. Darüber hinaus neigten die Versuchsteilnehmer dazu, sich nicht als besonders gefährdet zu betrachten, und konnten nicht die Vorteile vorbeugender Maßnahmen erkennen. Laut den Forschern lässt all dies darauf schließen, dass Jugendliche und junge Erwachsene nicht besonders gut informiert sind. Versuchsteilnehmer, die ihre Hörgewohnheiten gerne ändern wollten, wurden oftmals durch fehlendes Wissen daran gehindert. Laut den Forschern spielte das Vertrauen der Testpersonen darauf, durch eigene Kraft etwas verändern zu können, eine ambivalente Rolle.

Hörgewohnheiten

Im Durchschnitt hörten die Befragten mindestens viermal wöchentlich Musik auf ihren persönlichen Musikabspielgeräten, wobei fast die Hälfte (42,3 %) diese zwischen einer und zwei Stunden am Tag benutzten.

Die Mehrheit der Befragten (86,9 %) verglichen ihre durchschnittliche Lautstärkeeinstellung mit einem Geräusch von 85 dB oder leiser. Fast die Hälfte aller Teilnehmer (46,2 %) berichtete, dass sie mindestens einmal von anderen Personen dazu aufgefordert wurden, ihren Musikspieler leiser zu stellen.

Folgen des Musikhörens

Mehr als die Hälfte der Teilnehmer (54,4 %) berichtete, dass sie mindestens einmal ein Klingeln in den Ohren  (Tinnitus) erlebt hatten. Fast zwei Drittel aller Befragten (61,6 %) erzählten, dass sie dieses Klingeln direkt nach der Benutzung ihres persönlichen Musikspielers hörten.

Informationsstand

Fast alle Teilnehmer der Studie (95, 4 %) wussten, dass das Musikhören mit Kopfhörern bei einer hohen Lautstärke das Gehör schaden kann. Drei von vier Befragten (75,8 %) waren sich darüber bewusst, dass Geräusche mit einer Lautstärke von mehr als 85 dB über einen längeren Zeitraum hinweg das Gehör anhaltend schädigen können. Ganze 72,2 % waren darüber informiert, dass die Dauer des Musikgenusses bei zu hoher Lautstärke das Ausmaß der Hörschädigung beeinflussen.

Überlegungen zum Thema Schwerhörigkeit

Die Teilnehmer der Studie fühlten, dass sie nicht besonders anfällig für einen Hörverlust waren. Gleichzeitig empfanden sie jedoch den Grad der Schwerhörigkeit als recht hoch.

Veränderungsbereitschaft

Die Forscher teilten die Versuchsteilnehmer gemäß wissenschaftlicher Theorien, die die Stadien der Verhaltensänderung beschreiben, in verschiedene Gruppen ein. Fast die Hälfte aller Befragten (43,1 %) befanden sich im Absichtslosigkeitsstadium  („Precontemplation Stage”) und zogen somit nicht in Erwägung, in der nahen Zukunft sichere Hörmaßnahmen zu ergreifen. Rund ein Drittel aller Versuchsteilnehmer (30,9 %) waren im Absichstsbildungsstadium („Contemplation Stage”) und hatten sich vorgenommen, ihr Hörverhalten bald zu ändern. Nur einer von vier Teilnehmern (26 %) befand sich im Handlungsstadium („Action Stage”) und bemühte sich sicherer Musik zu hören.

Möchten mehr Information

Im Großen und Ganzen wünschte sich mehr als die Hälfte aller Befragten (54,9 %) mehr Information zu einem sicheren Hörverhalten und der Vorbeugung einer durch Musik verursachten Lärmschwerhörigkeit (MIHL). Der Begriff „music-induced hearing loss”, kurz MIHL, wurde eingeführt um eine Hörbeeinträchtigung ähnlich der Lärmschwerhörigkeit (NIHL = „noise-induced hearing loss”) zu beschreiben. Da eine MIHL im Gegensatz zum NIHL nicht durch Lärm, sondern durch Musikgenuss verursacht wird, handelt es sich bei der MIHL um eine bewusst verursachte Hörschädigung.

Zur Studie

Die Studie beruhte auf Fragebögen, der von 1019 Einzelpersonen zwischen 18 und 35 Jahren im Internet ausgefüllt wurde. Der Fragebogen selbst basierte auf Theorien über die Verhaltensänderung. Etwas mehr als die Hälfte aller Teilnehmer war weiblich (54,1 %) und das Durchschnittsalter betrug 28. Die Mehrheit der Befragten (51,8 %) hatte eine Hochschulbildung

Die Studie „Awareness, attitudes, and beliefs about music-induced hearing loss: Towards the development of a health communication strategy to promote safe listening” wurde 2019 in der wissenschaftlichen Zeitschrift Patient Education and Counseling veröffentlicht.

Quellen: Patient Education and Counseling undwww.ncbi.nlm.nih.gov.

 

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