14 April 2022

WHO veröffentlicht internationalen Standard für sicheres Hören bei Veranstaltungen

Unter dem Motto „To hear for life, listen with care!” (auf Deutsch: „Höre genau hin, um ein Leben lang zu hören!”) hat die Weltgesundheitsorganisation einen internationalen Standard für sicheres Hören an Veranstaltungsorten und bei Events veröffentlicht. Die Norm gilt an Orten und bei Aktivitäten, bei denen elektronisch verstärkte Musik gespielt wird.
WHO veröffentlicht internationalen Standard für sicheres Hören bei Veranstaltungen

Laut der WHO riskieren über eine Milliarde Menschen im Alter zwischen 12 und 35 Jahren ihr Gehör durch zu lange und zu intensive Belastung durch laute Musik und anderen Freizeitlärm zu verlieren.

„Millionen von Teenagern und jungen Menschen riskieren, durch die unsichere Nutzung eigener Musikabspielgeräte und eine gefährliche Lärmbelastung an Veranstaltungsorten wie Nachtklubs, Bars, Konzerten und Sportveranstaltungen schwerhörig zu werden”, so Dr. Bente Mikkelsen, WHO-Direktor des Bereichs für nicht-übertragbare Krankheiten.

„Das Risiko wird dadurch, dass die meisten Musikabspielgeräte, Veranstaltungsorte und Events keine Möglichkeiten für sicheres Hören anbieten und sogar zum Risiko eines Hörverlustes beitragen, nur erhöht. Ziel des neuen WHO-Standards ist, junge Menschen bei ihren Freizeitaktivitäten besser zu schützen”, fügt Mikkelsen hinzu.

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Hör Schwerhörigkeit zu
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Sechs Empfehlungen

Die neue weltweite Norm für sicheres Hören an Veranstaltungsorten und bei Events hebt sechs Empfehlungen für die Umsetzung hervor, um sicherzugehen, dass die Veranstalter das Schwerhörigkeitsrisiko am Veranstaltungsort begrenzen und gleichzeitig eine hochwertige Klangqualität und ein angenehmes Hörerlebnis bewahren.

Die sechs Empfehlungen sind:

  • Ein maximaler durchschnittlicher Lärmpegel von 100 Dezibel.
  • Überwachung und Aufzeichnung von Lärmpegeln mit kalibrierten Geräten durch ausgewiesenes Personal in Echtzeit.
  • Optimierung der Akustik und Soundsysteme des Veranstaltungsortes, um eine angenehme Klangqualität und sicheres Hören zu sichern.
  • Bereitstellung von individuellem Gehörschutz für das Publikum mit dazugehöriger Gebrauchsanweisung.
  • Zugang zu „Ruhezonen”, in denen die Gäste ihr Gehör „ausruhen” lassen und so das Risiko einer Hörminderung reduzieren können.
  • Schulungen und Bereitstellung von Informationen für die Angestellten.

Die Norm wurde im Rahmen der WHO-Initiative „Make Listening Safe” („Macht Hören sicher”) entwickelt. Die Initiative versucht, Hörgewohnheiten besonders unter jungen Menschen zu verbessern.

Schwerhörigkeit aufgrund hoher Lärmbelastung kann verhindert werden

Die Exposition gegenüber lauten Geräuschen kann zu vorübergehendem Hörverlust und Tinnitus führen. Eine längere und wiederholte Lärmbelastung kann jedoch zu einer bleibenden Schädigung des Gehörs führen, was zu einem permanenten Hörverlust führt.

So können Jugendliche ihr Gehör besser schützen:

  • Halten Sie die Lautstärke persönlicher Musikabspielgeräte niedrig.
  • Nutzen Sie gut angepasste Kopfhörer und nach Möglichkeit mit Noise-cancelling-Funktion.
  • Nutzen Sie Ohrenstöpsel an lauten Veranstaltungsorten.
  • Lassen Sie Ihr Gehör regelmäßig überprüfen.
  • Befürworten Sie die weltweite Norm.

Die WHO fordert Regierungen dazu auf, Gesetze zu formulieren und zu unterstützen, die sicheres Hören ermöglichen und die Öffentlichkeit auf das Thema Schwerhörigkeit aufmerksam machen. Private Unternehmen sollen die WHO-Richtlinien für sicheres Hören in ihren Produkten, an Veranstaltungsorten und bei Events umsetzen.

Umfrage unterstützt Norm

Eine Umfrage unter jungen Konzertgängern unterstützt den neuen Standard. Die Versuchsteilnehmer wurden über die sozialen Medien geworben. Insgesamt nahmen 2.264 Personen im Alter von 16 bis 35 Jahren an der Studie teil und füllten einen Fragebogen aus.

Die Umfrage zeigte, dass:

  • 82 % der Befragten eine Ruhezone am Veranstaltungsort, in der sie ihr Gehör entspannen lassen können willkommen heißen würden.
  • 78 % der Befragten eine Ruhezone an Veranstaltungsorten als notwendig erachten.
  • 53 % der Befragten davon überzeugt sind, dass die Veranstalter nicht frei bestimmen sollten, bei welcher Lautstärke Musik gespielt werden darf.

Bezüglich der Nutzung von Gehörschutz zeigte die Studie, dass:

  • 50 % der Befragten gerne für Gehörschutz bezahlen möchten.
  • 49 % der Befragten Ohrenstöpsel als unangenehm empfinden.
  • 52 % der Befragten finden, dass Ohrenstöpsel ihr Musikerlebnis beeinträchtigen.

Die Resultate der Studie wurden im Artikel „Attitudes towards Safe Listening Measures in Entertainment Venues: Results from an International Survey among Young Venue-Goers” in der Fachzeitschrift International Journal of Environmental Research and Public Health veröffentlicht.

Hier erfahren Sie mehr zum internationalen Standard für sicheres Hören an Veranstaltungsorten und bei Events: https://www.who.int/news/item/02-03-2022-who-releases-new-standard-to-t…

Hier finden Sie weitere Informationen zu den Ergebnissen der Studie: https://www.mdpi.com/1660-4601/18/23/12860

Quellen: https://www.who.int und https://www.mdpi.com.

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