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04 September 2018

Wissenschaftler finden heraus weshalb Cisplatin Schwerhörigkeit verursacht

Forscher aus den USA haben herausgefunden, weshalb das Krebsmedikament Cisplatin Schwerhörigkeit verursacht. Cisplatin ist ein Arzneimittel, das bei vielen Chemobehandlungen eingesetzt wird.

Wissenschaftler finden heraus weshalb Cisplatin Schwerhörigkeit verursacht

Wissenschaftler haben begründen können, weshalb eine Behandlung mit Cisplatin bei manchen Patienten zu Schwerhörigkeit führt. Cisplatin ist ein sehr aggressives Medikament, welches in der Chemotherapie zur Behandlung von vielen verschiedenen Krebsarten eingesetzt werden kann.

Es wird angenommen, dass zwischen 10 und 20 Prozent aller Krebspatienten Cisplatin und vergleichbare, platinhaltige Medikamente erhalten. Das Mittel verursacht jedoch bei 40 bis 80 Prozent aller damit behandelten erwachsenen Patienten und bei circa der Hälfte der minderjährigen Patienten eine dauerhafte Schwerhörigkeit.

Das Medikament sammelt sich im Innenohr an

Die Wissenschaftler haben anhand von Messungen der Cisplatinkonzentration in Gewebeproben des Innenohrs von sowohl Menschen als auch Mäusen feststellen können, dass das Medikament sich im Innenohr ansammelt. Die Ergebnisse lassen vermuten, dass Cisplatin leicht vom Innenohrgewebe aufgenommen wird, wobei nur eine sehr geringe Menge des Mittels das Innenohr wieder verlässt. In den meisten Teilen des Körpers wird Cisplatin innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen abgebaut, während das Medikament im Innenohr viel länger erhalten bleibt.

Die Resultate der Studie helfen uns dabei zu erklären, weshalb Cisplatin so giftig für das Innenohr ist, sich das Hörvermögen der Patienten nach jeder Behandlung verschlechtert, ein Hörverlust auch lange nach abgeschlossener Behandlung bestehen bleibt und weshalb diese Nebenwirkung bei Kindern schwerer ist als bei Erwachsenen.

Die Forscher nahmen an, dass das Innenohr Cisplatin nicht abbauen kann, weshalb die Innenohrzellen, welche sehr wichtig für das Hörvermögen sind, dem Mittel zu lange ausgesetzt werden und aufgrund dessen zellteilungshemmender Wirkung letztendlich absterben.

Die Stria vascularis

Darüber hinaus fanden die Forscher heraus, dass ein winziges Organ in der Schnecke des Innenohrs ein mögliches Ziel für die Vorbeugung eines cisplatinbedingten Hörverlusts sein könnte, da hier die Konzentration des Medikaments am höchsten ist. Aufgabe der sogenannten Stria vascularis ist es, die positive elektrische Ladung der Innenohrflüssigkeit aufrechtzuerhalten. Diese Regulierung ist sehr wichtig, da bestimmte Zellen ohne diese elektrische Ladung keine Geräusche wahrnehmen können. Das Forscherteam hielt fest, dass eine Anhäufung von Cisplatin in der Stria vascularis zu einer cisplatinbedingten Schwerhörigkeit beitrug.

Das Forschungsprojekt wurde von Dr. Lisa L. Cunningham, der Forschungsleiterin des National Institute on Deafness and Other Communication Disorders (NIDCD) an den National Institutes of Health (NIH) in den USA, durchgeführt.
Laut Dr. Cunningham lassen die Forschungsergebnisse Folgendes vermuten:

“Wenn wir verhindern können, dass Cisplatin während der Chemotherapie in die Stria vascularis eindringt, können wir vermutlich auch Krebspatienten vor einer cisplatinbedingten Schwerhörigkeit schützen.”

Die Studie “Cisplatin is retained in the cochlea indefinitely following chemotherapy” wurde in der Fachzeitschrift Nature Communications im Jahre 2017 veröffentlicht.

Quellen:www.ncbi.nlm.nih.gov y Nature Communications

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